Spinnen von Langfasern


Der Flachs wird der Spinnerei in Form von langen Fasern geliefert. Je nachdem, ob die Spinnerei über die geeigneten Hechelmaschinen verfügt oder nicht, kann das Ausgangsmaterial in Form von Flachszöpfen geliefert werden, die durch Schwingen gewonnen werden, oder in Form von Bändern aus gehecheltem Flachs. Für die Herstellung von Garnen zum Weben, Stricken oder Wirken sind folgende Arbeitsgänge erforderlich: Hecheln, Strecken und Vorbereiten, Spinnen.
Hecheln
Beim Hecheln werden die Faserbündel gereinigt, entwirrt und parallel ausgerichtet, dann in Fasern getrennt und aufbereitet und schließlich dubliert und gestreckt. Der Arbeitsgang erfolgt an so genannten großen Hechelmaschinen.
Die Zufuhr der 80 bis 120 g schweren Flachszöpfe erfolgt von Hand. Sie werden in Kluppen fixiert. Mehrere hintereinander liegende Hechelleisten transportieren die Faserbündel. Das Auskämmen erfolgt in vertikaler Ebene, wobei nach unten gekämmt wird.

Werg
Die beim Hecheln anfallenden kurzen Fasern - das Hechelwerg - werden von Abnehmern (so genannten Doffers) aufgefangen und unter den Maschinen in Behältern gesammelt. Hechelwerg wird nach Spitzwerg und Wurzelwerg getrennt und versponnen.


Das Formen von Bändern
Nach dem Hecheln werden die feinen Faserbündel auf einem geneigten Förderband abgelegt, das aus einer Reihe beweglicher, quer verlaufender Nadelbarren oder Gills besteht. Die übereinander liegenden Faserbündel bilden ein Band. Dieses wird von zwei Kalanderwalzen geführt und gepresst, um anschließend gebunden und gelagert zu werden.

Strecken und Aufbereitung
Anschließend werden die Bänder mehreren Dublier- und Streckprozessen unterzogen. Ziel dieser Arbeitsgänge ist es, das Gewicht der Bänder zu harmonisieren, die Fasern parallel auszurichten und zu verfeinern und Vorgarn herzustellen.

Spinnen
Der letzte Arbeitsgang des Spinnens ist das Verspinnen an sich, bei dem das Vorgarn zu Garn verarbeitet wird. Hechelflachs kann anhand folgender Verfahren versponnen werden:

• dem Nass-Spinnen von ungebleichtem Garn, entbastetem Vorgarn,
• dem Trockenspinnen,
• dem Halbnass-Spinnen.

Alle Verfahren verwenden dasselbe Prinzip zum Strecken, Verziehen und Verzwirren des Garns, was seinen Zusammenhalt sichert. Ihre Eigenschaften, und damit die Wahl des Verfahrens, sind abhängig von Art und Beschaffenheit des gewünschten Garns. Das Nass-Spinnen bleibt eine Besonderheit des Spinnens von Flachsfasern. Es ermöglicht die Gewinnung von Garnen von bemerkenswerter Qualität und Reinheit.

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